Bedarfsanalyse und Konzeptentwicklung
für ein queeres Jugendzentrum in Freiburg
Im Auftrag des Amts für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Freiburg hat das Forschungsteam – bestehend aus Prof.in Dr.in Nina Wehner (Projektleitung) und Dr. des. Annika Spahn (Projektkoordination) und den Wissenschaftlichen Hilfskräften Judith Brodbeck, Leo Dejaeger und Bente Schulte Westenberg – untersucht, ob in Freiburg Bedarf für ein queeres Jugendzentrum besteht und wie ein solches Zentrum inhaltlich und strukturell gestaltet sein könnte.
Hintergrund und Problemstellung
Die Forschungslage zeigt, dass queere Jugendliche, besonders während ihres Coming Outs in einer belastenden Lebenssituation sind, die sich durch niedriges Wohlbefinden und niedrige Resilienz auszeichnet (Frohn et al. 2023; Oldemeier 2018). Im Alltag erleben sie häufig Diskriminierung
(Oldemeier 2018) – und auch ihre Freizeit ist durch Angst vor Ablehnung und Diskriminierungserfahrungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) belastet (Krell und Oldemeier 2018).
Queere Jugendliche gelten damit als hochbelastete Gruppe, die besondere Unterstützungsbe
darfe hat. Hierzu gehört die Teilhabe an Angeboten der OKJA ohne das Erleben von Diskriminierung
und Bedarf an Angeboten und Räumen, in denen sie andere queere Jugendliche kennenlernen und
sich austauschen können.
Ziel
Zentrales Ziel des Forschungsprojekts war es, die Perspektiven queerer Jugendlicher und
junger Erwachsener in Freiburg sichtbar zu machen und sie direkt nach ihren Bedarfen und Einschätzungen zu befragen. Hierzu wurden neben den jugendlichen Zielgruppen auch Expert*innen, insbesondere Fachkräfte aus der queeren OKJA in Freiburg, einbezogen.
Das Projekt widmete sich unter anderem der Frage, welche Angebote in Freiburg für queere Jugendliche und junge Erwachsene bereits bestehen, ob ein queeres Jugendzentrum als Ergänzung sinnvoll wäre und wie ein solches Zentrum aus Sicht der Betroffenen gestaltet werden sollte. Für diese Untersuchung wurden zwei zentrale Erhebungen durchgeführt: Erstens eine Online-Umfrage mit 811 Teilnehmenden, und zweitens sieben Gruppendiskussionen, davon fünf mit queeren Jugendlichen, um die Umfrageergebnisse zu vertiefen.
Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für die Empfehlungen in diesem Bericht zur
Konzeption eines potenziellen queeren Jugendzentrums in Freiburg.
Abschlussbericht
Dieser Bericht fasst die Ergebnisse der Forschung zusammen. In Kapitel 2 finden Sie zu
nächst eine Übersicht über die zentralen Ergebnisse. Kapitel 3 beschreibt das Forschungsprojekt
im Detail und stellt die Forschungsfragen, die Methodik sowie das Forschungsdesign vor. Kapitel
4 erläutert die verschiedenen Meilensteine des Projekts.
Kapitel 5 bietet Erklärungen zu wichtigen Begriffen und Identitäten, die in diesem Bericht erwähnt
werden, wie etwa nicht-binär oder aromantisch. Kapitel 6 skizziert den aktuellen Forschungsstand: Hier wird die bestehende Literatur zur Lebenssituation queerer Jugendlicher, zu ihrem Freizeitverhalten sowie zur queersensiblen OKJA und bestehenden queeren Jugendzentren vorgestellt.
Kapitel 7 dokumentiert unsere Ergebnisse zur queersensiblen OKJA in Freiburg, gefolgt von Kapitel 8 mit einer Analyse bestehender queerer Jugendzentren in Deutschland. Kapitel 9 beschreibt
detailliert das Forschungsdesign für die Umfrage und die Gruppendiskussionen sowie die erreichte Zielgruppe. Kapitel 10 stellt die Ergebnisse unserer Forschung vor, darunter die Lebenssituation queerer Jugendlicher in Freiburg, ihre Erfahrungen in der Freiburger OKJA und ihre Wünsche für ein mögliches queeres Jugendzentrum.
Kapitel 11 präsentiert die Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen auf Grundlage
der Forschungsergebnisse. Im Anhang befindet sich das Literaturverzeichnis, der Fragebogen der
Online-Umfrage und ein Transkriptionsindex, damit die Ausschnitte aus den Gruppendiskussionen besser verständlich werden.